»Tennis für Jedermann« – so lautet das Motto der Coles. Der Engländer Mike Cole betreibt die Tennisanlage Jürgenshof in Eigenregie mit Unterstützung seiner Frau Karin. Eine 7-Tage-Woche, die den Coles doch einiges abverlangt, aber auf der anderen Seite auch glücklich macht.

Schon vor einigen Jahrzehnten gab es einen regelrechten Tennis-Boom. Einen solchen Boom erkennt auch Mike Cole in seiner Tennisanlage. »So ein Mini-Boom«, wie er es gerne benennt, sei seit Beginn der Pandemie zu verzeichnen gewesen. Als der Engländer im Jahr 1976 nach Bremen kam, hätten die Tennisvereine noch doppelt so viele Mitglieder gehabt. »Da haben wir alle so ein bisschen im Tennis die Ups and Downs miterlebt«, erklärt Cole die unbeständige Popularität des Tennissports in den letzten Jahrzehnten. Tennis scheine wieder sehr im Kommen zu sein. Ein Boom wie in den 70er Jahren sei es nicht, »aber wenn Corona vorbei ist und dann immer noch ein Teil bleibt wäre es schon gut«, sagt er. Man könne aber keine Prognose machen.

Mike Cole kam direkt von einer englischen Internatsschule nach Bremen und war sofort auf sich allein gestellt. Keine Eltern vor Ort, die ihm bei den alltäglichen Dingen helfen konnten. So musste er in einem fremden Land nicht nur die Sprache lernen, sondern auch alleine einkaufen, Wäsche waschen und bügeln. Es sei schon ein komisches Gefühl gewesen, damals von zu Hause wegzugehen. »Durch die Internatsschule hatte ich ein bisschen Erfahrung, wie das alles geht«, lacht der Engländer. Das war kurz nach seinem 21. Geburtstag im Jahr 1976.

Der Engländer Mike Cole betreibt die Tennisanlage Jürgenshof inzwischen seit 15 Jahren. Bild: NR / hohwisch.de

Cole kam nach Bremen, um als Trainer für den Tennisverein Rot-Weiß e.V. zu arbeiten. Dort blieb er bis 1983, daraufhin wechselte er zum Verein BTV 1896 in Schwachhausen, wo er nun seit 38 Jahren als Trainer tätig ist. Beim BTV 1896 ist Mike Cole für die Mitglieder in allen Altersklassen zuständig. In diesem Tennisverein betreue er allein etwa 180 Kinder. Im Jahr 2005 fragte ihn die Sparkasse, ob er die Tennisanlage Jürgenshof übernehmen wolle. Er habe dann einen 5-Jahres-Vertrag unterschrieben, der alle fünf Jahre erneuert wird. Inzwischen leitet Cole die Tennisanlage Jürgenshof seit 15 Jahren. Parallel zu seiner Trainertätigkeit beim BTV 1896. Und das alles, wo er doch eigentlich nur zwei Jahre in Deutschland bleiben wollte.

In Bremen lernte Cole seine Frau Karin kennen. Er sagte ihr, wenn er heiraten würde, würde er auch irgendwann nach England wollen. Es stellte sich heraus, dass seine Frau wohl doch nicht nach England gehen würde. Sein Sohn lebe heute in London und sei begeistert von England. Er selbst habe inzwischen wenige Möglichkeiten, in seine Heimat zu reisen, da seine Eltern inzwischen verstorben seien und aufgrund der Pandemie ohnehin Reisebeschränkungen gelten. 

Karin Cole, die eigentlich in der Geschäftsstelle des BTV 1896 arbeitet, steht ihrem Mann am Jürgenshof tatkräftig zur Seite. Das Ehepaar erlebt eine 7-Tage-Woche, bei der jeder Tag um 7.00 Uhr mit dem Aufschließen der Anlage beginnt. Das alles machen die Coles noch immer selbst. Auch wenn die Tage anstrengend seien, bleibe dadurch die familiäre Atmosphäre der Anlage erhalten. Und der Zustand der Anlage sei ihnen auch wichtig, alles soll sauber sein, damit sich die Spieler wohl fühlen. Hier laufe vieles auf Vertrauensbasis in einer sehr familiären und freundschaftlichen Atmosphäre. 

»Tennis für Jedermann«: In der Tennisanlage Jürgenshof sind etwa 90 Prozent Spieler, die keinem Tennisverein angehören. Die Plätze sind für jeden buchbar, unabhängig ob man einem Tennisverein angehört oder nicht. In seiner Tennisanlage hält sich der Engländer meist am Wochenende auf. Während seine Frau an den Wochentagen die Anlage aufschließt, sei er meist am Sonntagmorgen für eine bis zwei Stunden in der Tennisanlage. Es müsse ohnehin jemand vor Ort sein, und er nutze dann beispielsweise die Zeit, um Schläger zu bespannen. »Man hat eigentlich nie frei«, so Cole. An Wochenenden, an denen kein Training stattfinde, müsse er die Mannschaft betreuen, obwohl auch seit dem Sommer aufgrund der Pandemie keine Punktspiele mehr stattgefunden haben.

Zu Saisonbeginn besuchten in diesem Jahr auch viele Tennisliebhaber aus Vereinen die Tennisanlage Jürgenshof, da sie gerne draußen im Freien spielten. Im März und April sind die Plätze der Tennisvereine teilweise noch nicht bespielbar. Die Sandplätze brauchen sehr viel Betreuung und Pflege. In den meisten Tennisvereinen beginnt die Saison am 1. Mai und endet am 30. September. Allerdings gebe es, oft aus finanziellen Gründen, auch einige Abweichungen, weshalb die Saison teilweise noch weiter ausgedehnt werde. Die Tennisanlage Jürgenshof ist in dieser Hinsicht sehr flexibel und öffnet bei gutem Wetter bereits ab März.

Die Plätze der Tennisanlage Jürgenshof können bequem online oder telefonisch gebucht werden. Bild: NR / hohwisch.de

In diesem Jahr öffnete Cole seine Tennisanlage spontan Ende Februar bei sommerlichen Temperaturen. Seitdem ist die Tennisanlage geöffnet, da die Plätze jederzeit bespielbar sind, solange kein Schnee liegt. »Die Leute sind mehr Frischeluftmenschen geworden durch Corona«, erzählt der Engländer. Aufgrund von Corona spielten die Leute lieber bei 5 Grad draußen als in die Halle zu gehen, aus Angst vor der höheren Ansteckungsgefahr in den Innenräumen.

Momentan bietet die Tennisanlage Jürgenshof Abos oder Einzelbuchungen an. Wer ein Abonnement bucht, kann wöchentlich zu einer festen Zeit einen festen Platz buchen. Termine, die wegen schlechten Wetters ausfallen, können nachgeholt werden. Bei Einzelbuchungen kann je nach Verfügbarkeit jederzeit ein Platz gebucht werden. Mike Cole erzählt, dass er normalerweise auch Workshops für Mannschaften aus Tennisvereinen anbiete. Diese könnten aber in diesem Jahr auf Grund von Corona nicht stattfinden, da bisher nur individuelles Training erlaubt sei.

Im Sommer möchte Mike Cole Tennis-Camps mit Kindern anbieten. Das Angebot solle für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, gelten, ob aus Vereinen oder auch ohne Verein. Es sei geplant, möglicherweise einen Tag im Sportgarten e.V. zu verbringen. Allerdings sei die Umsetzung wegen der Corona-Pandemie noch nicht ganz planbar. Unter den aktuellen Bedingungen wäre es auch eine Kostenfrage, wenn nur Einzeltraining erlaubt sei, denn die Kosten seien nun einmal höher als der Preis pro Person in einem Gruppentraining. 

Mike Cole und auch alle Spieler genießen die familiäre Atmosphäre in der Tennisanlage Jürgenshof. »Wer hätte gedacht, dass Tennis wegen Corona so populär geworden ist«, so Cole über die wachsende Beliebtheit des Tennissports. Corona habe die Entwicklung des Sports fest im Griff. Der Tennislehrer sieht allem sehr gelassen entgegen. Es bleibe abzuwarten, welche Regelungen der Landessportbund treffe.

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