Vier Pflegerinnen von Buurtzorg sitzen auf einer Treppe.
Das Team von Buurtzorg Hastedt (von oben nach unten): Petra Lanfermann-Richter, Antje Alex, Kea Hermans und Astrid Cordes. Credit: Buurtzorg

Da, wo bis im vergangenen Dezember noch Blumen verkauft wurden, hat sich der Pflegedienst Buurtzorg neu angesiedelt. Im ehemaligen Blumenladen Bechstein, in der Föhrenstraße 6, hat ein kleines Team seit 1. Januar seine Arbeit aufgenommen.

Buurtzorg ist ein innovatives, gemeinnütziges Pflegemodell aus Holland, das inzwischen auch in Deutschland Fuß fasst. Das niederländische Wort »Buurtzorg« setzt sich zusammen aus »Buurt«, was im Deutschen »Viertel« oder »Quartier« bedeutet und »Zorg«, dessen deutsche Übersetzung »Sorgen« heißt. So bedeutet Buurtzorg Nachbarschaftspflege.

Vor zwölf Jahren hat der Krankenpfleger Jos de Blok in Almelo den Buurtzorg-Ansatz gegründet. Es stellt den Kunden in den Mittelpunkt. »Wir rechnen nach Zeit ab und gucken, welchen Pflegebedarf braucht der Mensch und wie lange dauert es dementsprechend«, erklärt Astrid Cordes.

Das Modell hat zum Ziel, den Kunden ein eigenständiges Leben zu ermöglichen und die Selbstfürsorgefähigkeit zu fördern. »Wir gucken mit welcher Unterstützung der Kunde seine Selbstständigkeit aufrecht erhalten kann«, erläutert Cordes. So arbeitet der Buurtzorg-Pflegedienst bedarfsorientiert.

Außenansicht eines einstöckigen Landengeschäftes.
Hier war früher ein Blumenladen, jetzt ist es der Sitz des Pflegedienstes Buurtzorg. Credit: Buurtzorg

Ein weiterer Baustein ist die Netzwerkarbeit. »Anders als im herkömmlichen Arbeitsumfeld sind wir nicht mehr nur ausführende Pflegekräfte, die den Anweisungen einer Pflegedienstleistung oder eines Arztes folgen. Vielmehr organisieren und koordinieren wir die gesamte Unterstützung selber und stehen in direktem Kontakt zu Ärzten, Krankenhäusern, Physiotherapeuten oder anderen Spezialisten«, beschreibt Petra Lanfermann-Richter. Zudem bezieht der Pflegedienst in seine Arbeit neben Angehörigen auch Nachbarn und andere Institutionen ein. »Wir stricken für den Kunden ein Netzwerk«, so Lanfermann-Richter. »Das ist unsere Stärke und unterscheidet uns von anderen Pflegediensten.«

Den Mitarbeitern werden bei ihrer Arbeit weitestmögliche Entscheidungskompetenzen zugesprochen, von teambasierten Absprachen von Arbeitszeiten, eigenen Einstellungen von Kollegen bis zu vollkommenen transparenten Wirtschaftszahlen zur Entscheidungsfindung. »Wir haben langjährige Berufserfahrungen im ambulanten Bereich und arbeiten gleichberechtigt nebeneinander«, sagt Lanfermann-Richter.

Ein vorerst kleines Pflegeteam arbeitet seit 1. Januar in der Föhrenstraße 6. So haben alle Mitarbeiterinnen unterschiedliche Berufserfahrungen in der Pflege gesammelt. Astrid Cordes (58) ist ausgebildete Altenpflegerin und hat in der Tagespflege gearbeitet. Darüber hinaus war sie in Seniorenresidenzen tätig. Petra Lanfermann-Richter (53) ist gelernte Krankenschwester und hat in der ambulanten Pflege gearbeitet. Außerdem war sie Lehrerin an einer Pflegeschule. »Man braucht eine Menge Berufserfahrung, um etwas zu verändern«, macht Cordes deutlich.

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