Zwei Frauen stehen auf einer Dachterasse. Im Hintergrund ein Häuserpanorama.
EX-IN-Genesungsbegleiterin Andrea Döscher (links) und Sozialarbeiterin Elisa Scardaccione (rechts) stehen auf der Dachterrasse des Frauenraums

Eine großflächige Dachterrasse mit Panoramablick auf den Stadtteil Hastedt – das bietet der Frauenraum an der Dölvesstraße 8. Seit April vergangenen Jahres befindet sich hier die Anlaufstelle für Frauen mit seelischen Belastungen. In einem geschützten Rahmen können Besucherinnen ihre Stärken kennen lernen, wiederentdecken und ausbauen. »Die Räume sind hier viel größer als in der Feldstraße«, sagt Elisa Scardaccione, die als Sozialarbeiterin im Frauenraum arbeitet. Am neuen Standort gibt es eine große Küche, in der die Besucherinnen selber kochen, zwei Rückzugsräume, in denen die Mitarbeiterinnen Einzelgespräche mit den Frauen führen, ein Büro, einen Aufenthaltsraum sowie einen Bewegungs- und Multifunktionsraum, wo die Nutzerinnen kreativ sein können und zum Beispiel Bilder mit Acrylfarben malen können.

2004 traf sich der Arbeitskreis Frauen und Psychatrie. Dort vernetzten sich Mitarbeiterinnen der verschiedenen Träger psychiatrischer Versorgung. Sie stellten fest, dass es in Bremen Bedarf für einen offenen Treff für seelisch belastete Frauen gibt. Sechs Jahre später führte der Arbeitskreis eine Bedarfsumfrage bei betroffenen Frauen durch. Innerhalb kurzer Zeit gab es 100 Unterschriften von Frauen, die einen solchen Raum nutzen würden.

In der Folge wurde die AG Gender gegründet und bald stellte diese die ersten Gender-Leitlinien für Bremen auf. In diesem Zuge schlossen sich vier Träger der sozialpsychiatrischen Versorgung zusammen, um das Projekt des Frauenraums zu ermöglichen. Im Juni 2015 schließlich öffnete der Frauenraum »EigenArt«, damals noch im Viertel, seine Türen.

Nach Ablauf einer dreijährigen Förderung von Aktion Mensch konnte der Frauenraum über einen einjährigen Fonds der bremischen Gesundheitsbehörde finanziert werden, seit Anfang 2019 gibt es eine Regelfinanzierung durch das Land Bremen. »Somit wurden auch Gelder frei für den Umzug in die Dölvesstraße und für größere Räume«, erklärt Andrea Döscher. Sie ist Genesungsbegleiterin und gehört mit zum fünfköpfigen Team des Frauenraums.

Der Gemeinschaftsraum von »EigenArt« in der Dölvesstraße. Hier können Frauen reden oder einfach nur Zeitung lesen. Bild: VA / hohwisch.de

Ein weiterer Grund für den Umzug nach Hastedt sei die Erreichbarkeit gewesen, erklärt Sozialarbeiterin Elisa Scardaccione. »Wir wollten einigermaßen zentral bleiben und gut erreichbar sein. Mit den Linien 2 und 10 haben wir hier gute Straßenbahnanschlüsse.«

Die Angebote und Aktivitäten im Frauenraum werden gemeinsam mit den Besucherinnen entwickelt. »Dazu kann jede ihre Ideen einbringen und ihr Können an andere Frauen weitergeben«, erklärt Andrea Döscher. Unter den aktuellen Corona-Bedingungen und -Einschränkungen können einige der Aktivitäten nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden. Aktuell findet regelmäßig die »Themenzeit« statt. »In der Themenzeit können Frauen in einer kleinen Runde und einem geschütztem Rahmen ins Gespräch kommen und sich austauschen. Das jeweils konkrete Thema wird mit den beteiligten Frauen gemeinsam entschieden. Allgemein geht es dabei um seelische Gesundheit im weitesten Sinne. Die Gruppe ist offen und findet Dienstagvormittag statt«, beschreibt Döscher.

Auch das Bewegungsangebot findet großes Interesse bei den Nutzerinnen. »Sowohl drinnen als auch draußen gibt es viel Platz, um in Bewegung zu kommen. Je nach Interesse können die Angebote von leichten Bewegungsübungen zu Entspannung oder Tanzen reichen«, berichtet Elisa Scardaccione. Auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers spiele eine Rolle, ergänzt Andrea Döscher. Ab und zu gibt es gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel in den Wald oder ans Meer. Und mittwochs kümmert sich eine Gruppe von Frauen um die Gestaltung und Bepflanzung der Dachterrasse. »Die Spenden dafür werden von den Besucherinnen organisiert«, erklärt Döscher.

Dazu gibt es noch einmal im Monat eine Medikamentenberatung, die von einer Psychiaterin der Ameos-Klinik in Oberneuland sowie einer Genesungsbegleiterin angeboten wird. Hier haben alle Fragen Platz rund um Wirkungen, Nebenwirkungen, Absetzphänomenen von Psychopharmaka und Alternativen dazu. Die Anmeldung erfolgt über den Frauenraum. Termine sind Montag Nachmittag.

Urban Gardening auf der Dachterrasse des Frauenraums. Bild: VA / hohwisch.de

Eine Besonderheit des Frauenraums ist die trägerübergreifende Zusammenarbeit: Mit im Verbund sind der Arbeiter-Samariter-Bund, die Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste (Gaspy), die Initiative zur sozialen Rehabilitation und die Innere Mission, die die Federführung für den Frauenraum übernommen hat. »Durch diese Vernetzung sind die Wege viel kürzer«, sagt Andrea Döscher.

Eine Besucherin, die anonym bleiben möchte ist froh, dass es die Möglichkeit gibt, zum Frauenraum zu kommen: »Es ist eine schöne Atmosphäre. Ich kann hier herkommen und entscheiden, ob ich reden möchte. Ich kann mich zurückziehen, malen, basteln oder nur Zeitung lesen.« Es gebe insgesamt ein sehr vielfältiges Angebot, sagt die Besucherin, die aus der Neustadt kommt und schon von Anfang an den Frauenraum besucht. »Das schöne ist, dass man sich nicht erklären muss. Man kann so sein wie man ist.« Sie nutzt die Gespräche als Brainstorming. »Wenn ich Probleme habe, kann ich darüber sprechen. Es ist eine Entlastung für mich.«

Es tue ihr sehr gut, im Frauenraum zu sein, berichtet sie weiter. »Einfach mal zu gucken, Geduld zu haben und zwei bis dreimal in der Woche an verschiedenen Tagen zu kommen.« Sie hat auch schon einige Freundschaften mit anderen Besucherinnen geknüpft. Es gebe eine schöne Willkommenskultur, erzählt sie.

Der Frauenraum sei offen für alle Frauen, betont Scardaccione. So kommen Besucherinnen aus den unterschiedlichsten Gründen. Es kämen aber auch Besucherinnen, die gar keine Probleme hätten, beobachtet die Besucherin aus der Neustadt. »Einige sind berentet, bei anderen ist die Therapie abgelaufen, wiederum andere arbeiten und kommen trotzdem hier her.«

Das Team des Frauenraums besteht zurzeit aus 5 Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund. »Viele von ihnen haben langjährige berufliche Erfahrungen in der Sozialpsychiatrie, sie sind Sozialpädagoginnen, Trauma-Pädagoginnen, Psychiatrie-Fachkräfte oder Genesungsbegleiterinnen«, erklärt Andrea Döscher.

EigenArt
Frauenraum Bremen

Montag
11:00 – 13:30, 14:30 – 17:00
Dienstag
11:00 – 13:30, 14:30 – 17:00
Mittwoch
11:00 – 13:30, 14:30 – 17:00
Donnerstag
11:00 – 13:30, 14:30 – 17:00
Freitag
11:00 – 13:00, 13:30 – 15:30
Samstag
Geschlossen
Sonntag
Geschlossen

Vor einem Besuch müssen Frauen sich telefonisch oder per Mail anmelden (siehe oben). Es können maximal 12 Besucherinnen zeitgleich kommen.

Internetseite: frauenraum-bremen.de

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